Fahren – Es muß nicht nur turniermäßig sein!

 

... aber sooo muß es auch nicht sein

 

Wenn wir am Wochenende schönes Wetter haben, gibt es nichts herrlicheres, als die Pferde von der Koppel zu holen, vor den Wagen zu spannen und eine Ausfahrt durch das Dorf, die Felder und zum Teil auch Wälder zu machen! Wir ziehen uns hübsch an, setzen natürlich, wie es sich bei Fahrern gehört, einen Hut auf und laden auch manchmal Nachbarn, Freunde oder Verwandte zu einer Tour ein. Wie kommt man zum Fahren? Meistens reitet eine Person in der Familie das Pferd, alle anderen haben zwangsläufig andere Interessen. Da unser Hobby jedoch sehr zeitaufwendig ist: Warum nicht ab und zu etwas gemeinsam mit der Familie machen? Unter der Woche wird das Pferd geritten, aber an manchen Tagen können eben alle mit der Kutsche unterwegs sein. Voraussetzung ist, neben einem reellen, vielseitigen Pferd, daß man eine verkehrssichere Kutsche sowie passendes, heiles Geschirr sein Eigen nennt und einen Fahrkurs absolviert hat. Noch darf man in Schleswig-Holstein zwar ohne den sogenannten Führerschein fahren, aber die Versicherungen reagieren unterschiedlich: Einigen ist es gleich, andere geben bis zu 50% Rabatt und wieder andere versichern nur unter der Voraussetzung, daß ein Fahrabzeichen gemacht wurde. Ich persönlich denke auch, daß es unerläßlich ist, da man
  1. lernt, richtig anzuspannen und
  2. weiß, wie man pferdeschonend fahren kann.
Jeder empfindet es als normal, das Reiten zu erlernen. Man ist dankbar für entsprechenden Unterricht und freut sich über die eigenen Fortschritte. Nicht so beim Fahren: „Was ist schon dabei? Ich spanne das Pferd an und alles Weitere wird sich schon finden. Will ich links, ziehe ich links, will ich rechtsherum, eben rechts.“ Fahren ist aber anders. Benno von Achenbach, nach ihm wird auch in allen FN-Kursen gelehrt, hat gezeigt, wie man unter optimalen Bedingungen die Pferde schonend fahren kann. Grundsätzlich gilt: Die Pferde gehen in Anlehnung und es wird beim Abbiegen die äußere Leine nachgegeben! Auch das dann notwendige richtige Verkürzen der Leinen will geübt sein, die richtige Peitschenhaltung ist wichtig (es werden nicht nur Verkehrszeichen gegeben, sondern eine falsche Haltung kann auch beim Fahren behindern), die Pferde sollen optimal damit getrieben bzw. begrenzt werden. Nach dieser Fahrlehre kann man ohne Schwierigkeiten Kehrtwendungen ausführen, man lernt, den richtigen Bogen um die Kurve zu fahren... usw. In unserer Gegend gab es vor einiger Zeit einen folgenschweren Unfall: Ein Fahrer hatte lediglich die Leinenenden auf der rechten statt auf der linken Seite. Beim Rechtsabbiegen rutschten die Enden ans Wagenrad und verfingen sich dort. Durch den Ruck, den die Pferde kurz darauf im Maul spürten, sprangen sie zur Seite in einen Graben. Die Kutsche fiel um, der Fahrer wurde herausgeschleudert und starb an seinen schweren Verletzungen. Der Beifahrer konnte die Pferde noch ausspannen und erlitt kurze Zeit später einen Herzinfarkt und verstarb ebenfalls. Das ganze ist natürlich sehr tragisch; was ich damit ausdrücken will ist jedoch: Jede Kleinigkeit kann beim Fahren wichtig sein! Es gibt sehr viel Lektüre über das korrekte Fahren nach Achenbach. Jedoch sehr wenig (leider ist mir noch nichts „über den Weg gelaufen“) über alternative Methoden. Ich habe vom „Pleasure driving“ gehört – weiß aber nichts näheres darüber. Die Aufklärung und die unterschiedlichen Weisen, die es beim Reiten gibt, sind noch nicht zu den Fahrern gelangt.

Spaß mit dem Rodelschlitten:

Im Winter lassen wir uns den Spaß nicht nehmen: Wir spannen das Pferd vor einen oder mehrere miteinander verbundene Schlitten und düsen los! Hei, wie uns der Schnee um die Ohren fliegt, den Pferden macht es Laune, ist es doch auch für sie eine Abwechslung des täglichen Einerlei! Ohne blaue Flecken bin ich jedoch noch nicht nach Hause gekommen: ich mußte meine Beine so zusammendrücken, um nicht vom Schlitten zu fallen oder ich bin doch runtergefallen und habe sie mir dabei geholt *lach*. Ich nehme zum Fahren auch hier mein Geschirr, ersetze die Stränge durch Nylonleinen und habe zwischen Strängen und dem Schlitten ein selbstgemachtes Ortscheid, damit die direkten Bewegungen des Schlittens nicht das Pferd stören. Aber auch hier gilt: Nicht unvorsichtige Versuche starten, denn ein durchgehendes Pferd mit einem Schlitten hinter sich herziehend ist nicht besonders lustig L!
Ich hoffe, auch hier entwickelt sich ein entsprechendes Forum!

© 2000 by Katrin Maerten, Wintermor / Germany. Letzte Änderung: 02.02.00