Handpferdereiten 

(Teil 1)                    zum 2. Teil


Es gibt viele Situationen, in denen es sich „leider“ nicht vermeiden läßt, ein zweites Pferd als sogenanntes Handpferd mitzunehmen. Wer einen Weg zur entfernten Koppel sparen möchte, reitet eines, das andere wird gehalftert am Strick mitführt. Oder man kann den einzigen Weidepartner nicht allein zurücklassen und nimmt ihn „notgedrungen“ mit.

Aber warum empfinden es viele Pferdehalter nur als notwendiges Übel? Handpferdereiten kann so viel Spaß machen! Es gibt natürlich einige, wie immer, Voraussetzungen für ein entspanntes, freudiges Reiten mit 2 Pferden. Selbstverständlich empfindet es jeder anders, ich möchte Euch gern meine Erfahrungen mitteilen:

Wir standen vor einiger Zeit vor dem Problem, wie bewege ich täglich zwei Pferde, obwohl nicht genügend Zeit dafür vorhanden ist? Ich wollte versuchen, beide Pferde zusammen zu bewegen aber nicht so, daß ich mit einem ausreite und der andere tobt inzwischen, weil er allein gelassen wurde, auf der Weide 'rum. Es sollte schon ein gleichmäßiges Bewegen der Pferde sein und nicht unbedingt Verletzungsgefahr bieten – was lag also näher, als das Handpferdereiten? Ich hatte es allerdings noch nie gemacht, geschweige denn irgendwo gesehen.


Wie fing ich es also an? Ich setzte mich auf den ausgeglichenen Wallach und nahm die junge Stute am Strick mit. Die Stute wurde getrenst und erhielt zusätzlich eine Longierbrille eingehängt, daran einen Baumwollstrick, am Ende hatte ich einen Knoten geschlungen (damit ich das Ende fühlen kann). So ausgerüstet konnte es losgehen. Ich bin der Meinung, daß man den Strick weder ans Pferd binden darf, noch um die Hand wickeln sollte. Falls etwas passiert (plötzliches Scheuen oder einfaches Stehenbleiben des Handpferdes) kann es sein, daß man das Begleitpferd nicht schnell genug vom Reitpferd lösen kann. Ich habe auch festgestellt, daß es, bei etwas Übung, kein Problem ist, entweder einhändig oder in der rechten Hand zusätzlich den Strick zu halten. Bei Gefahr habe ich die Stute auch schonmal losgelassen, sie kennt es, und weiß: Wenn der Strick herunterhängt, muß sie stehen bleiben.


Die Stute reagiert wunderbar auf die Stimme, kennt inzwischen neben den normalen Kommandos wie Schritt, Trab und Galopp auch noch „komm vor“, „an die Seite“ (wenn ein Fahrzeug entgegen kommt, müssen wir uns häufig in die Büsche schlagen, üblicherweise geht sie neben dem Reitpferd, ab und zu muß sie jedoch hinterher gehen und dann eben schön weit rechts).


Anfangs, Ihre Ausbildung an der Longe war auch noch in den Kinderschuhen, hatte ich Probleme mit dem Galopp. Ich dachte schon, daß ich beim Handpferdereiten darauf verzichten müsse, denn sie trabte nur wie ein Weltmeister, wenn ich den Wallach galoppierte. Es riß mir natürlich spätestens nach dem 3. Galoppsprung die Arme auseinander J! Aber nach einiger Zeit kapierte sie, was ich von ihr wollte: Ich gab das Kommando und zupfte zusätzlich am Strick, um sie zu ermuntern – irgendwann klappte es einfach.

Inzwischen ist es ein Genuß, mit beiden auszureiten. Sie kennen es und ich glaube, sie genießen es auch, denn beide sind sehr willig und passen sich gegenseitig an. Entgegen der landläufigen Meinung, wenn sich einer erschreckt, erschreckt sich der andere mit, ist es eher umgekehrt: Wenn einer an einer Sache nicht so gerne vorbei möchte, zieht der andere ihn mit.

 

Es gibt allerdings auch Ausnahmen, wenn beide Pferde „gut drauf“ sind: Neulich war es sehr stürmisch, und ich bin relativ früh angaloppiert. Beide waren herrlich übermütig und die Stute fing kräftig an zu buckeln. Der Wallach wollte gerade mitmachen, aber ich konnte sie doch noch, durch ein scharfes Wort, zur Raison bringen. So verlief der Ausritt zwar mit einiger Anspannung, aber trotzdem manierlich.


Wollt Ihr weitere Einzelheiten wissen? Habt Ihr noch Anregungen, eigene Erfahrungen?

Zum Beispiel kann man das Reiten mit zwei Pferden ausdehnen und es in den Trainingsplan mit aufnehmen. Man könnte es so verfeinern, daß man eine Quadrille auf die Beine stellt, mit 8 Pferden und nur 4 Reitern nicht nur Dressur, sondern auch das Springen mit Zweien kann Spaß machen...


© 2003 by Katrin Maerten, Wintermoor / Germany. Letzte Änderung: 01.01.03