Nachdem doch häufiger Fragen zum Thema Handpferdereiten auftauchten, möchte ich hier auf .

die Ausrüstung des Handpferdes

eingehen.

 

Halfter oder Trense?

Ich reite grundsätzlich mit einem getrensten Handpferd. Als ich anfing, war das Pferd getrenst, danach hatte ich eine Phase, in dem ich der Meinung war, ein Halfter reiche aus. Inzwischen bin ich wieder, aus verschiedenen Gründen, bei einem getrensten Pferd gelandet. 

Meine Pferde sind, auch als Handpferd, sehr artig. Ich hatte sie eine Zeitlang lediglich mit Halfter ausgerüstet mitgenommen, habe aber festgestellt, daß in extremen Situationen das Halfter zwar ausreichte, meine Nerven aber arg strapaziert wurden. Ein Beispiel: 

Heidschnuckenherde wird von einem Trecker mit Anhänger begleitet, auf dem Anhänger sitzen ein Teil der Hunde und kläffen. Aus entgegengesetzter Richtung kommt ein LKW angedonnert, über uns ein Heißluftballon, der gerade feuert und auf dem Weg nebenan eine nette Familie, die mit mehreren sich streitenden Kindern sowie Hund Oma und Opa, Mama und Papa einen Sonntagsspaziergang macht.

Also müssen meine Pferde genau auf der Seite, ohne vor irgendeinem Gegenstand zu scheuen oder am Strick zu ziehen, bei mir bleiben. Neben der entsprechenden Erziehung einschließlich Gewöhnung gibt mir das richtige Material Sicherheit. Ich bleibe cool, weil ich weiß, daß meine Pferde nichts machen - und wenn sie doch etwas machen sollten, hätte ich ja kein Problem! Fazit: Auch wenn ich mit Halfter reiten könnte, gibt mir die Trense die "Kopf-Freiheit", die ich für ein vorausschauendes, gelassenes Handpferdereiten benötige.

In die Trensenringe schnalle ich eine Longierbrille ein, an der ich einen langen! Baumwollstrick befestige. Der Strick hat keinen Panikhaken. Auch hierzu ein Beispiel: Ich ritt mit beiden aus, das Handpferd war "zickig": Mal stürmte es vorwärts, mal bummelte es, dann paßte es sich beim Gangartenwechsel nicht an. Ich wurde ärgerlich. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich ruckte scharf am Strick. Der Erfolg: Das Pferd war frei! Durch den Ruck am Panikhaken löste sich dieser (endlich mal einer, der funktionierte! *g*). Es war gar nicht so lustig, das Pferd wieder einzufangen, denn gerade an dem Tag war ja die Dame besonders nett drauf *grrr*

Der Strick

Wie schon oben geschrieben nutze ich einen langen Baumwollstrick, am Ende hat dieser einen Knoten. Der Knoten zeigt mir an, daß der Strick genau an dieser Stelle zu Ende ist, außerdem verhindert er ein durchrauschen aus der Hand. An dieser Stelle sei nochmals als besonders wichtig erwähnt, daß man immer Handschuhe tragen sollte! Man kann zwar viel des Gemütszustandes bei seinem Handpferd erkennen, aber die Spannung, die sich plötzlich aufbauen kann, ein kleiner Satz zur Seite: Man fühlt es durch den mangelnden Körperkontakt nicht! So kann es schnell vorkommen, daß das Pferd einem den Strick durch die Hand zieht - auch nur wenige mm brennen wie Feuer Brandblasen in die Finger!

Über die Zügel- und Strickhaltung

Ich reite das Sattelpferd überwiegend einhändig, um möglichst die Bewegungen des Handpferdes nicht auf das Reitpferd zu übertragen. Hierzu halte ich die Zügel in der linken Hand, linker Zügel zwischen Kleinem- und Ringfinger, rechter Zügel zwischen Zeige- und Mittelfinger. Diese Zügelführung erlaubt mir ein "Lenken" des Pferdes lediglich durch anwinkeln/nachgeben des Handgelenkes. Natürlich soll auch hier die Hand aufrecht stehen, um keine unnötigen Verkrampfungen herzustellen. Das Zügelende wird über den Zeigefinger gelegt und mit dem Daumen fixiert.

Wenn alles okay ist und ich eine lange Trabstrecke reite, kann es sein, daß ich mit der rechten Hand zusätzlich in die Zügel greife, um die Anlehnung besser herstellen- oder auch erhalten zu können. Es ist jedoch äußerst wichtig, daß ich dem Reitpferd nicht im Maul rucke, was ja durchaus durch die Bewegung des Handpferdes passieren könnte, also vorsicht!

Wie nehme ich nun den Strick des Handpferdes auf? Ich halte es für wichtig, diesen immer gleich (identisch) aufzunehmen. Der Strick wird beim Handpferdereiten ständig, auch deutlich, verkürzt und verlängert. Dies wird durch die Breite eines Weges, durch Matschlöcher, die ein Handpferd allzu gern versucht zu umrunden, durch Gangartenwechsel usw. nötig sein. Wenn man nun den Strick immer "irgendwie" in die Hand nimmt, muß man hingucken, um diesen wieder zu sortieren, bzw. zu verkürzen. Wenn ich ihn immer gleich in der Hand liegen habe, ist ein Verkürzen des Strickes genauso leicht wie das Zügelverkürzen, welches einem ja in Fleisch und Blut übergegangen ist, oder? 

Ich greife den Strick mit der rechten Hand wie einen Zügel (also von oben) und führe den Strick zwischen Kleinem- und Ringfinger durch die Handfläche über den Zeigefinger und fixiere ihn mit dem Daumen. Da der Strick je recht lang sein sollte, um ein flexibles Mitgehen mit der Hand (resp. Strick) möglich zu machen, muß ich das Ende des Strickes ja auch sortiert "loswerden": Dazu bilde ich ungefähr in der Mitte des über dem Daumen hängenden Strick-Endes zwischen Zeige- und Mittelfinger eine große Schlaufe und lasse nun das freie Ende zwischen Mittel- und Ringfinger herabhängen. - Klingt sehr kompliziert, ist es aber gar nicht ;-)) 

Folgender Vorteil findet sich in dieser Haltung: Ich kann, wie mit den Zügeln gewohnt, meinen Strick verlängern oder auch verkürzen. Ich fühle, wieviel "Leine" ich dem Pferd gegeben habe, da die Schlaufe sich verkleinert (Achtung: Rechtzeitig den Finger aus der zu kleinen Schlaufe nehmen: Verletzungsgefahr!) und ich habe die gleiche Länge nach, um meinem Handpferd und mir das letzte Stück Leine als Notverlängerung zu geben, ohne das Tier loszulassen. Dies sollte jedoch wirklich nur im Notfall "herausgegeben" werden, da ansonsten kaum noch ein Zupacken oder Steuern möglich ist!

Die Gerte

Ob ich eine Gerte benötige oder nicht hängt nicht nur von der Gehfreudigkeit meines Reitpferdes ab sondern auch von der meines Handpferdes. Möchte ich etwas mit der Gerte erreichen, muß ich eine möglichst lange Reitpeitsche wählen. Ist die Gerte lang genug, kann ich das Handpferd mit der links getragenen Gerte hinter meinem Reitpferd antreiben. Dazu muß ich mich allerdings kurzfristig deutlich hinter die Bewegung meines Reitpferdes bringen, um das Handpferd zu erreichen. Eigentlich keine schöne Sache. Besser wäre es, wenn man dem Handpferd von vornherein beibringt, nicht zu bummeln und es durch zuppeln (bitte nicht ziehen: Es bewirkt lediglich Gegenzug!) am Strick zu mehr Lauffreude ermuntern könnte. Hierzu sollte bei den Anfängen ein Helfer dabei sein, der das Pferd von hinten antreibt. Eigentlich sind Pferde ja Herdentiere und wollen zusammenbleiben, dies kann in diesem Fall von Nutzen sein, so daß das faulere Pferd sich doch überlegt, mitzukommen ;-).

Die Gerte kann ein zu schnelles Handpferd aber auch begrenzen: Hierzu trage ich die Gerte auf der rechten Seite und halte sie eher waagerecht, sozusagen vor der Brust des Handpferdes. Man muß übrigens sehr aufpassen, daß das Handpferd nicht zu weit vor kommt, denn ab einer Halslänge wird es fast schon unmöglich, das Handpferd in die richtige Wendung beim Abbiegen dirigieren zu können. Der ideale Platz ist: Hals in Schenkelhöhe. Man hat Platz für sein Bein und kann das Pferd gut händeln.

 

Ich wünsche allen, die es versuchen möchten, sehr viel Spaß mit dem Handpferd und würde mich über Erfahrungsberichte freuen, die ich auch gern veröffentlichen würde.
Katrin

 

Dies ist ein Überblick, wie ICH mit meinen Pferden am besten zurecht komme. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit bzw. Gewähr auf richtiges/unfallfreies Reiten mit Handpferd. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, was machbar ist und was nicht! Solche Seiten können lediglich einen Anreiz bieten oder Informationen liefen - reiten muß man selbst ;-)

© 2003 by Katrin Maerten, Wintermor / Germany. Letzte Änderung: 01.01.03