Der Pferdebegleithund

     Jeder, der mit Pferd und Hund unterwegs sein möchte fragt sich "Eignet sich mein Hund/mein Pferd dafür?" oder auch "welcher Hund ist der geeignetste?". Ich bin der Meinung, daß sich (fast) jedes Pferd eignet und auch (fast) jeder Hund der richtige Partner für den gemeinsamen Ausritt ist. Wie kommt es aber zu diesen unterschiedlichen Aussagen wie "dieser Hund eignet sich, dieser jedoch nicht"?

Selbstverständlich gibt es, wie überall, Tiere, die besonders für eine Sportart zu begeistern sind. Auch für den Reiter ist es mit bestimmten Rassen einfacher als mit anderen. Und trotzdem: Es liegt an jedem von uns, wie er mit seinen Tieren umgeht und was er mit ihnen machen möchte.

Mein Traumhund war immer ein Berner Sennenhund. Jeder, der diese Tiere meinte zu kennen, erklärte uns, daß es kein geeigneter Pferdebegleithund sei, da diese Rasse viel zu anfällig (HD) und zu schwerfällig wäre. Durch einen glücklichen Umstand kam jedoch Jimmy in unser Leben. Ja, genau dieser wunderschöne, große, dreifarbige Bär! Von Anfang an nahm ich ihn mit zu den Pferden, zuerst noch hochgehoben, schützend in meinen Armen, später paßte ich auf, daß er nicht unters Pferd geriet, wenn er neugierig am "rumwuseln" war.

Die Pferde lernten auch sehr schnell, daß da noch jemand war, wenn ich zu ihnen kam. Der Welpenschutz, den die Pferde ihm gebührten, wurde auch häufig ausgenutzt: In einem unbeobachteten Moment (es geht ja manchmal blitz schnell) huschte Jimmy doch unterm Bauch oder durch die Hinterfüße durch... Manchmal fand er die Pferde auch etwas unheimlich, so daß er ihnen immer genügend Respekt zollte: Er empfand die Vorderfüße als viel gefährlicher als die Hinterhand - obwohl er keine schlechten Erfahrungen gemacht hatte.

Wir sind zu Anfang viel spazieren gegangen. Hund links, Pferd rechts von mir. Jimmy mußte auch recht früh lernen, bei Fuß zu gehen, sich zu setzen und zu bleiben und diese ganzen "üblichen" Befehle. Ich hatte immer Angst davor, wenn er groß ist, daß ich ihn nicht halten kann und an der Leine "hinterher flattere".

Eine Freundin von mir machte eine Ausbildung zur Ausbilderin bei Herrn Schulte-Wörmann mit und so kam es, daß ich für uns einen Pferdebegleithund-Ausbildungs-Kurs auf die Beine stellte. Wir waren 4 Teilnehmer-Trios, alle mit unterschiedlichen Pferden und Hunden: Es waren 2 Trakehner-Stuten, ein Holsteiner-Mix, und mein Mecklenburger. Hunderassen: Rhodesian-Ridgeback, Scotch-Terrier, Sheltie und Berner Sennenhund sowie ab und zu der Irish-Setter unserer Seminarleiterin. Jeder von uns hatte seine Stärken aber auch Schwächen: Es zeichnete sich sehr deutlich ab, wer Nervenstärke hatte! Nein - nicht was Ihr jetzt denkt... Ich meine nicht die Pferde, sondern die Menschen!!! Es ist nicht einfach, gerade wenn man am lernen ist, alles zu koordinieren. Das Pferd muß gehorsam bleiben, der Hund darf den Reiter nicht ablenken und mit den anderen Kursteilnehmern muß man auch noch klar kommen *puh, das strengt an*.

Wir haben zuerst das "Bei Fuß gehen" geübt, denn es ist äußerst wichtig, wo der Hund geht: Immer in der Mittelhand! So kann es kaum passieren, daß er aus versehen getreten wird. Wir haben geübt, den Hund vom Pferd aus an- bzw. abzuleinen. Es wurde ein Trailparcours überwunden und immer wieder war der Gehorsam des Hundes gefragt. Man mußte ihn ablegen und er durfte nicht eher wieder aufstehen, bis man das Kommando gegeben hat - auch wenn andere Hunde um ihn herumgingen: Er mußte liegenbleiben.....

Zusätzlich brachte ich unserem Jimmy bei, auf Befehl "an die Seite" zu gehen, er lernte "Halt", d.h. dort, wo er sich gerade befand, mußte er sich setzen. Dies war eine wichtige Übung, denn es kommt manchmal vor, daß er z. B. auf der anderen Straßenseite schnupperte und ein Auto kam: Es blieb keine Zeit, um wieder zu mir zu kommen, so mußte er sicht dort hinsetzten und warten, bis er wieder aufstehen durfte. Er lernte außerdem auf Zuruf vor- oder auch hinter dem Pferd zu gehen - manchmal war es einfach zu eng, um nebeneinander zu gehen.

Jimmy ist ein besonders artiger Hund. Ich bin fast täglich mit beiden Pferden (ein Reitpferd und ein Handpferd) und unserem Rüden durchs Gelände gezogen. Es gibt kaum etwas schöneres, als mit seinen aufmerksamen Tieren auszureiten!

Nun nochmal zur Hunderasse: Selbstverständlich muß ich mich "dem schwächsten Glied in der Kette", in diesem Fall dem Hund, entsprechend anpassen. Ein Berner kann kaum mehr als 3 Stunden in einem flotten Trab und Galopp durchs Gelände. Ich muß, wenn ich länger unterwegs sein möchte, mein Tempo entsprechend seinem Trainingszustand anpassen. Ich bin mehrere Stunden unterwegs gewesen, habe jedoch immer wieder längere Schrittreprisen eingelegt. Wenn ich nur einen einstündigen Ausritt unternehme, schafft es unser Hund auch, viel zu traben und zu galoppieren. Er benötigt dann zwar viel Luft, kann sich ja aber dann wieder ausruhen. Das Training sollte nur langsam aufgebaut werden, denn nichts ist schwerer wieder in Ordnung zu bringen, als enttäuschtes Vertrauen unserer Tiere!

Die anderen Reiter unserer Gruppe mußten sich ebenfalls auf ihre Hunde einstellen: Der kleine Hund mit den kurzen Beinen mußte selbstverständlich mehr im Schritt gehen, der Rhodesian-Ridgeback durfte nicht von der Leine gelassen werden, da er schwer im Griff zu halten war, wenn wir auf Wild trafen, oder der Sheltie, der die Pferde ständig ankläffte: man durfte mit seinem Pferd nicht zu dicht an ihn heran - er ängstigte sich dann, und das muß ja nicht sein!

Die Pferde mußten z. Teil lernen, daß die Hunde, gerade wenn sie über eine Rampe neben dem Pferd hergingen, nicht die "bösen Wölfe" sind. Eine ganz besonders schwere Übung war auch das An- und Ableinen: Hierzu mußte der Hund das Pferd an der Schulter anspringen und sich abstützen - das war nicht jederpferds Sache! es gibt hier übrigens gute Alternativen: Entweder läßt man den Hund gegen den eigenen Fuß/Bügel oder gegen den hinteren Teil der Schabracke springen. Dann kommen die Krallen der Hundepfoten nicht an den empfindlichen Körper des Pferdes.

Wenn Ihr Euch weitergehend mit diesem Thema beschäftigen wollt, bin ich gerne bereit, Euch Auskünfte zu geben!

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Ach ja: Falls Euer Hund wirklich nicht zu überreden ist: Unser fährt auch leidenschaftlich gern Kutsche!

© 1999 by Katrin Maerten, Wintermoor / Germany. Letzte Änderung: 11.11.99