Herkunft und Rasseentwicklung

Tinker kommen ursprünlich aus Irland, England und Wales. In ihrer Heimat werden sie als Backys, Irish Coloured Cob und Gypsies bezeichnet.

Der Name Irish Tinker wird hauptsächlich in Deutschland verwendet. Der Begriff Irish Tinker stammt von dem Beruf des Kesselflickers ab und gilt in Irland und England als ein Schimpfwort für die Travellers (die Travellers sind verarmte landlose Iren und Engländer und die ursprünglichen Züchter der Irish Tinker) und Zigeuner. Dieser Beruf wurde im frühen Mittelalter nur von Zigeunern und den Travellers ausgeübt.

Farbpferde und Ponys waren im Mittelalter für den Adel nicht standesgemäß und ohne Wert. Es wurden jedoch immer wieder solche Farbpferde geboren. Travellers und Zigeuner haben eine Vorliebe für alles Bunte und Auffällige und da sie nur wenig Geld zu ihrer Verfügung hatten, verliebten sie sich schnell in diese wundervollen Farbpferde. Im Umgang mit Pferden haben Travellers und Zigeuner eine besonders glückliche Hand. Den Zigeunern wurden diese Pferde im Mittelalter kostenlos überlassen.

Im Mittelalter wurde das genetische Erbe der bunten Zigeunerpferde, durch illegale Nacht- und Nebelaktionen, mit dem Blut der besten Spitzenvererber Englands und Irlands aufgebessert. Dies war eine übliche Art und Weise, um an sehr gute Pferde zu kommen.

1685 erliess König James II von England eine Verordnung, die es den Travellern und Zigeunern gestattete einen alljährlichen grossen Pferdemarkt in Appleby abzuhalten. Dieser Pferdemarkt findet noch heute statt. 14 Tage im Juni! Es werden dort 4.000 bis 4.500 Gypsies zum Verkauf angeboten. Die Preise liegen zwischen 1.500 und 6.000 Pfund Sterling, dass ist weit über dem Niveau der deutschen Verkaufspreise.

Auch in Ballyastle, ULSTER, findet jedes Jahr Ende August ein großer Pferdemarkt statt. Er ist der älteste bekannt Pferdemarkt in Irland, denn sein Ursprung geht auf das 15. Jahrhundert zurück.

Noch einen Markt gibt es im Oktober. In Ballinasloe, Südirland. Dieser Markt hat sich inzwischen zur Europe`s Oldest International Horse Fair entwickelt. Dieser Markt ist ein Fest, mit Seminaren, Verkaufsständen und allem was dazu gehört. Hier kann man Pferde jeder Rasse bewundern.

Die Irish Cobs stehen in keinem Lexikon der Pferderassen und waren bis vor kurzer Zeit auf dem europäischen Festland völlig unbekannt. Seit dem Bekanntwerden nimmt aber die Beliebtheit der Irish Tinker stark zu. Deshalb erscheinen auch immer mehr Artikel und Bücher über den Irish Cob.

Die Pedigrees werden in den Zuchtgebieten nicht niedergeschrieben, sondern wie früher mündlich weitergegeben. Es findet, trotz fehlendem Stutbuch und Zuchtverband, eine verantwortungsvolle und gewissenhafte Zucht statt. Die buntgescheckten Pferde stellten, genau wie ihre Besitzer, eine gesellschaftliche Randgruppe dar. Vor 400 Jahren besassen nur wenige Zigeuner ein Pferd, die meisten mussten sich mit Eseln begnügen. Diese trugen die Habe der Zigeuner in grossen Weidenkörben und über oftmals sehr grosse Entfernungen. Die Pferde, Ponys und Esel mussten dabei von dem leben, was links und rechts am Strassenrand gewachsen ist. Im Lauf der Zeit wurden die Travellers vor allem durch den Pferdehandel etwas wohlhabender. Sie erwarben sich erstklassige Kenntnisse in der Behandlung und Korrektur von kranken und verdorbenen Pferden. Diese Pferde und Ponys wurden preiswert erworben, wieder hergestellt und mit Gewinn weiterverkauft. Nach der industriellen Revolution, etwa um das Jahr 1880, begannen die Leute des fahrenden Volkes, ihre Esel gegen Planwagen und kräftigere Pferde einzutauschen. Doch noch immer waren sie darauf angewiesen alle Pferde zu verwenden, die aus welchen Gründen auch immer, nicht erwünscht waren. Darunter waren Rassepferde wie z. B. Hunter, Vollblut, Araber, Dales, Fell, Welch, Shire Horse und Clydesdales. Diese Pferde waren zum Teil absolute Spitzenpferde. Sie hatten jedoch alle den gleichen Makel: Aufgrund der zu grossen Abzeichen wurden diese Farbpferde nicht in das Stutbuch ihrer Rassen aufgenommen. Alle diese Pferde und Ponys landeten bei den Travellers, die diese Pferde ganz besonders liebten.

Die grosse Wende kam mit dem zweiten Weltkrieg. Damals entwickelten die Travellers und Zigeuner eine besondere Vorliebe für Tigerschecken, die allerdings sehr selten und schwer zu züchten waren. Man wandte sich aus diesem Grund vermehrt der Plattenscheckenzucht zu. Diese wurden schnell zu einem Wahrzeichen der Traveller- und Zigeunerkarawanen.

Es begann, sich eine besonders geregelte Zucht der Tinker zu entwickeln. Schecken mit gemischt weisser und dunkler Farbe waren sehr beliebt. Sie waren in der Dunkelheit am besten zu erkennen. In der Art und Musterung der Farben sind Tinker sehr individuell gezeichnet und deshalb leicht wiederzuerkennen. Dieses war ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die Besitzer dieser Pferde, man darf nicht vergessen, dass Pferde nicht immer nur auf legale Weise den Besitzer wechselten. Es war damit sehr praktisch sein eigenes Pferd zweifelfrei zu identifizieren.

Auch Nichtzigeuner fanden die Cobs bald sehr attraktiv und es entwickelte sich ein lebhafter Handel und guter Absatz der Tinker bei den englischen und irischen Freizeitreitern.

Ein Cob ist ein mittelgrosses Pferd oder Pony, gleichermassen für Reit- und Fahrzwecke geeignet. Der Tinker hat ein mittleres Stockmass von 140 cm bis 1,65 cm alle Grösseren haben eine überwiegende Erbmasse aus Shire Horse oder Clydesdales (Siehe auch Rassenbewertung).

Reiche Zigeuner und ihre Fürsten konnten sich den Luxus der eigenen Deckhengsthaltung leisten. Solche Pferde waren und sind auch noch heute der grösste Stolz und wertvollste Besitz ihrer Herren und werde mit fast astronomischen Summen, im Vergleich zu dem deutschen Markt, gehandelt.

 

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus:

 Tinkerfreunde.de

 

© 2001 by Katrin Zeggert, Wintermoor / Germany. Letzte Änderung: 27.02.01